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Geschichten von tausend und einer Currywurst
01 / 01 / 2016

Geschichten von tausend und einer Currywurst

Ja, wir Deutschen packen die Dinge gerne richtig an. Und in unserem Hang nach Perfektion glaubt jeder, es besser machen zu können als alle Andere. Deshalb gibt es bei uns auch von jedem Produkt ungezählte Varianten: zum Beispiel mehr als 300 Brotsorten oder sogar mehr als 500 verschieden Bratwurstsorten.

Genau so ist es auch mit der Currywurst. Hier kommen zu den Bratwurstsorten noch unzählige Varianten von Currysauce. Wenn man sich jetzt die möglichen Kombinationen ausrechnet…

Aber der Streit dreht sich ja nicht nur um die beste Currywurst, sondern auch darum, wer sie erfunden hat. Heute haben aufwändige Forschungen ergeben, dass sich wohl Herta Heuwer als Erfinderin feiern lassen darf. Sie hatte im Berlin der Nachkriegszeit ab September 1949 eine Wurst mit Currysauce hergestellt und erfolgreich verkauft. Komisch nur, dass Frau Heuwer diese Sauce 1959 unter dem Namen Chillup (Chili und Ketchup) patent-rechtlich schützen ließ. Eine Currywurst ohne Curry? Nun ja, in den Folgejahren entstanden in vielen anderen Städten Currywurst-Buden von mal herausragender und mal bescheidener Qualität. Schauen wir uns doch einige regionale Erscheinungen etwas genauer an.

Die Norddeutsche: Currywurst aus der Hafenstadt Hamburg

Wer als Erster in Hamburg Currywurst angeboten hat, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Aber es war wohl so, dass es sich ursprünglich um eine Pferdefleischwurst handelte, die in einer kräftigen sauren Tomatensauce gereicht wurde. Zu dem derben Geschmack der Wurst und der Sauce passte ein gelber Curry hervorragend. Heute gibt es Currywurst im Hamburg an jeder Ecke. Und was gibt es schöneres, als auf den Landungsbrücken mit eine Schale Currywurst zu sitzen und den Schiffen beim Vorbeifahren zuzuwinken. Oder nach einer durchzechten Nacht den Tag mit dieser scharfgemachten Spezialität auf dem Fischmarkt zu beginnen.

Die Berliner: Mit und ohne Darm

Ja, für uns ist es nur schwer vorstellbar, aber die Berliner fragen ganz offen. „Mit oder ohne.“ Und meinen nicht etwa Pommes frites, Mayonnaise oder Zwiebeln, sondern tatsächlich Darm. Die erste Berliner Currywurst von Frau Heuwer hatte Haut, aber noch heute gibt es nicht nur im Berlin Versionen „ohne“. Erinnern in Farbe und Form an bayrische Weißwürste. Diese werden dann in Fett gebraten und in Stücken serviert. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Der Ruhrpott: Das Eldorado der Currywurst

Auch im Ruhrgebiet hat die Currywurst eine lange Geschichte. Nicht zuletzt deshalb widmete der Bochumer Barde Herbert Grönemeyer dieser Spezialität ein eigenes Lied. Und wohl jeder „Ruhrpott-Bewohner“ kann diese Hymne mitsingen. Und natürlich weiß auch jeder einzelne, wo es im Pott die beste Currywurst gibt. Die wird nämlich hier aus sehr würzigem, manchmal grobem, gepökeltem oder geräuchertem Brät hergestellt. Und hierzu wird – endlich – eine Sauce aus Curry angeboten.

Das Sauerland : Bestes vom Grillrost

Natürlich hat auch das Sauerland einen Ehrenplatz auf der Landkarte der besten Currywürste verdient. Nein, die Sauerländer sind nicht die Erfinder, und sie haben auch nicht die allein glücklich machende Currywurst. Aber sie setzen ein sehr einfaches Rezept um: Man nehme von allem nur das Beste. Das beste Fleisch aus regionaler Produktion, ein eigenes Rezept als Grundlage der Gewürze und einen feinen Darm als wohlschmeckende „Verpackung“. Dann legen sie das Ganze auf einen Grillrost. Nicht im Fett schwimmend, sondern herrlich frisch gegrillt. Dazu eine gekonnt abgeschmeckte Currysauce – fertig ist die Lange Lüdenscheider. Ihr Siegeszug trug sie vom Rheinland bis in die Grenzen Frankfurts und bis an den Südrand des Ruhrgebiets. Aber die Lange Lüdenscheider gibt es nur bei Extrawurst, und das schon seit mehr als 25 Jahren an nunmehr 20 Standorte. Und darauf dürfen wir alle auch ein ganz klein wenig stolz sein.

Die Exoten: Ist das noch Currywurst?

Wer es ganz abgefahren mag, findet sicher auch grüne Currysauce mit Johannisbeeren und Zimt. Oder Wurst vom Wagyu-Rind, aus Känguru-Fleisch oder mit Blattgold verziert. Aber mal ganz ehrlich: Brauchen wir das wirklich?

Ich persönlich sitze gerne mit meiner Langen Lüdenscheider vor einem Baumarkt und beobachte die Menschen. Hier findet man sie alle: das alte gutbetuchte Ehepaar, die launigen Handwerker, die renovierenden Studenten. Sie alle vereint die Suche nach einen wirklich guten Snack.

Ehrlich. Lecker.

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